Evaluation der Weiterbildung in Deutschland
Bereits vor einigen Wochen befaßte sich das Niedersächsische Ärzteblatt in seiner Titelstory mit einem Projekt zur Evaluation der (ärztlichen) Weiterbildung in Deutschland.
Einem Beschluß des 112. Deutschen Ärztetages folgend sollen sich Weiterbildungsbefugte wie Weiterbildungsassistenten an einem Projekt der Bundesärztekammer und (16 von 17) Landesärztekammern beteiligen und hiermit die “Qualität der Weiterbildung sichern und verbessern”. “Die Umfrage dient dazu, die aktuelle Situation in den Abteilungen vor Ort sowie Positives und/oder Negatives darzustellen, um z. B. Handlungskonzepte für strukturierte Weiterbildungsabläufe zu entwickeln. Die Befragung soll im Sinne einer Feedback-Schleife in einem zweijährigen Abstand wiederholt werden.
Mit den gewonnenen Erkenntnissen sollen Anreize entwickelt werden, um den ärztlichen Nachwuchs zu motivieren, in Deutschland zu bleiben. Der Abwanderung junger Ärztinnen und Ärzte in andere Berufsfelder oder ins Ausland soll entgegengewirkt werden.”
Die Datenerhebung und Auswertung erfolgt durch die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, ETHZ.
- Anfang 2009 erstellen die beteiligten Ärztekammern eine Adress- und Datenliste sämtlicher in der Ärztekammer registrierter Befugten.
- Ende April/Anfang Mai 2009 schreiben die Ärztekammern die Befugten an, um die Anzahl der in der Weiterbildungsstätte zum aktuellen Zeitpunkt in Weiterbildung befindlichen Assistenten abzufragen und die Befugten aufzufordern, an der ersten Befragungsrunde teilzunehmen. Dazu erhält der Befugte seinen persönlichen Zugangs- Code sowie bei Eingabe der Anzahl der Assistenten die entsprechende Anzahl an Zugangs-Codes für die Online- Einwahl der Assistenten in das Fragebogenprogramm.
- Die Befugten induzieren die Teilnahme der Assistenten.
- Es wird ein Zeitraum von ca. 6 bis 8 Wochen Rücklauffrist für die Beantwortung der Fragebögen eingeräumt. Eine Erinnerung zur Erhöhung der Teilnahme der Be- fugten/Assistenten (über die Befugten) an der Befragung erfolgt ca. 3 und 6 Wochen nach Start der Befragung.
- August/September 2009 (ETHZ): Datenaufbereitung, Durchführung der Datenanalysen
- Oktober/November 2009 (ETHZ): Erstellung des Berichtswesen und Benchmarks für die Be- fugten, Erstellung der Länderrapporte für LÄK und BÄK
- Ende 2009/Anfang 2010:
- Freischaltung der Befragungsergebnisse der Befugten (Befugten-Berichte) online
- Zugriff von LÄK/BÄK auf die Ergebnisse der einzelnen Befugten-Berichte und die Länderrapporte
Den FAQ der Bundesärztekammer zu diesem Thema kann man u.a. Folgendes entnehmen:
“(..)
3. Bin ich als Weiterbildungsbefugter verpflichtet, an der Umfrage teilzunehmen?
Nein, aber die LÄK empfehlen dringend die Teilnahme.4. Was passiert, wenn ich als Weiterbildungsbefugter an der Befragung nicht teilnehme?
Nichts, aber Sie nutzen die Chance eines Feedbacks nicht.5. Bin ich als Weiterbildungsassistent verpflichtet, an der Umfrage teilzunehmen?
Nein, aber Sie nutzen Ihre Chance nicht, das Weiterbildungssystem zu bewerten und an Verbesserungspotentialen mitzuwirken. Die Ärztekammern empfehlen dringend die Teilnahme.6. Was mache ich, wenn mein Weiterbildungsbefugter nicht über die Ergebnisse informiert?
Sprechen Sie Ihren Weiterbildungsbefugten direkt an, die Ergebnisse in der Weiterbildungsstätte zu besprechen. Falls dies keinen Erfolg hat, können Sie sich an Ihre Ärztekammer wenden, die Sie dabei unterstützen wird, dass der Weiterbildungsbefugte die Ergebnisse bekannt gibt.7. Was passiert mit den Daten aus der Evaluation der Weiterbildung in Deutschland?
Bundes- und Länderrapporte in Form eine PPT-Präsentation – Berichtswesen der Befugten (aggregierte und anonymisierte Datensätze) Die Befugten-Berichte werden in einer Datenbank gespeichert, auf die ausschließlich die Mitarbeiter des Projekts von Seiten der ETH Zürich und der zuständigen Ärztekammer Zugriff haben. Nur der Weiterbildungsbefugte (WBB) erhält nach der Auswertung den individuellen Bericht, in dem die wichtigsten Analysen zusammengestellt sind. Der Online-Bereich für WBB ist passwortgeschützt, so dass nur die WBB selbst die Ergebnisse einsehen können. Die Bundesärztekammer fordert, die Ergebnisse der Befragung mit den Ärzten, die sich in Weiterbildung befinden, zu diskutieren und ihnen Auszüge aus den Ergebnissen zukommen zu lassen. Hierzu können die WBB die online abrufbaren Ergebnisberichte ausdrucken oder per E-Mail weiter versenden.Sollte der WBB die Ergebnisse nicht seinen WBA zur Kenntnis geben und mit ihnen diskutieren, können die WBA bei ihrer zuständigen Ärztekammer um Unterstützung bitten, dass dies geschieht.
8. Werden die Ergebnisse der Befragung veröffentlicht? Wo kann ich die Ergebnisse einsehen? Habe ich ein Recht auf Einsichtnahme in die Ergebnisse meiner Abteilung?
Die Ergebnisse der einzelnen Weiterbildungsstätten kennen nur die Ärztekammer, die ETHZ und der Befugte.
Der Befugte soll aber die Ergebnisse seinen WBA vorlegen und auch mit diesen besprechen.
Die Ergebnisse auf Landes- und Bundesebene – nach Fachgebieten sortiert – werden über die Ärztekammern und im Webportal veröffentlicht.
(..)”
Zusammenfassend: Die Lage der Weiterbildungsassistenten soll durch Befragung der Weiterbildungsassistenten eingeschätzt und ggf zukünftig verbessert werden. Um dies zu erreichen, werden _nur_ die Weiterbildungsbefugten angeschrieben (welche dann freiwillig mitarbeiten können oder auch nicht), damit diese ihren Assistenten dann ggf. die Zugangsdaten zur online-Befragung übergeben. Die Assistenten sollen an der Befragung teilnehmen, die konkreten Ergebnisse der Befragung (was die eigene Weiterbildungsstätte anbelangt) werden dann aber wiederum _nur_ den Weiterbildungsbefugten mitgeteilt, nicht den Weiterbildungsassistenten. Und das alles angeblich anonym. Aber kürzlich ist der Bundesärztekammer dann doch ein kleines Problem aufgefallen: ” Stimmen alle Weiterbildungsassistenten einer Abteilung ähnlich schlecht ab, so ist die Anonymität eigentlich aufgehoben”.
Meine Meinung dazu: Das sollte doch kein Problem sein, da alle Chefs, denen die Weiterbildung (und ihre Weiterbildungsassistenten) egal ist(/sind), oder die befürchten müssen, besonders schlecht abzuschneiden, an dieser Evaluation sowieso nicht teilnehmen werden. Ist doch klar, die wären ja schön blöd. Und das heißt wiederum, daß die Gesamtstatistik doch ein deutlich besseres Bild vom Weiterbildungsstandort Deutschland zeichnen wird, als dies der Realität entspricht. Und wenn mir als Chef die konkrete Statistik meiner Weiterbildungsstätte zu schlecht ausfällt, dann muß ich das ja auch nicht mit meinen Assistenten diskutieren, sondern kann das alles schön für mich behalten und unter den Teppich kehren.
Also, liebe IdiotenKollegen bei der Ärztekammer, für wen soll diese Befragung nochmal gut sein????
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